Es gibt Flugzeuge, die sind mehr als nur technische Konstruktionen. Sie werden zu Zeitzeugen. Zu Symbolen einer Epoche. Und manchmal schaffen sie etwas, das selbst moderne Verkehrsflugzeuge kaum noch können: Sie lassen einen für einen Moment vergessen, in welchem Jahr man gerade lebt.
Genau dieses Gefühl hatte ich beim Besuch der Junkers Ju 52 D-AQUI im neuen Lufthansa Group Hangar One am Flughafen Frankfurt.
Vor mir steht ein Flugzeug, dessen Geschichte 1936 begann. Ein Flugzeug, das noch vor dem Zweiten Weltkrieg im Passagierverkehr eingesetzt wurde, zahlreiche Länder und Besitzer erlebt hat, nach Jahrzehnten wieder zur Lufthansa zurückkehrte und bis 2018 tatsächlich noch Rundflüge mit Passagieren durchgeführt hat.
Heute steht sie nicht mehr auf einem Flugplatz. Sie steht mitten in einem modernen Ausstellungsgebäude – und wirkt dort gleichzeitig völlig fehl am Platz und absolut passend.
Denn kaum ein anderes Flugzeug verkörpert die Geschichte der Lufthansa so unmittelbar wie diese Maschine.
Ein Stück Luftfahrtgeschichte mitten am Frankfurter Flughafen



Der neue Lufthansa Group Hangar One befindet sich direkt am Frankfurter Flughafen in unmittelbarer Nähe des Lufthansa Aviation Centers. Auf mehr als 6.000 Quadratmetern verbindet die Ausstellung die Unternehmensgeschichte mit Gegenwart und Zukunft der Luftfahrt.
Im Mittelpunkt stehen zwei außergewöhnliche Flugzeuge:
- die Junkers Ju 52 D-AQUI aus dem Jahr 1936
- die Lockheed L-1649A Super Star D-ALAN aus den 1950er-Jahren
Die Ju 52 wurde bereits im Oktober 2025 nach Frankfurt gebracht und dort gemeinsam mit der Super Star für die neue Ausstellung aufgebaut. Seit dem 1. August 2026 ist der Hangar One regulär für Besucher geöffnet.
Und dann steht man plötzlich davor.
Nicht hinter einer kleinen Museumsscheibe. Nicht auf einem alten Flugplatz in irgendeiner Halle.
Sondern mitten in einem hellen, modernen Gebäude mit riesigen Glasflächen.
Und vor einem steht diese Maschine:
D-AQUI.
D-AQUI – geboren 1936
Die Geschichte der D-AQUI beginnt am 6. April 1936.
Die Maschine wurde bei Junkers in Dessau gebaut und anschließend an die damalige Deutsche Luft Hansa ausgeliefert. Ihr ursprünglicher Name war „Fritz Simon“. Bereits wenige Monate später wechselte sie zur norwegischen Fluggesellschaft DNL und erhielt das Kennzeichen LN-DAH sowie den Namen „Falken“.
Was danach folgte, ist beinahe unglaublich.
Die Maschine überstand den Zweiten Weltkrieg, wechselte erneut den Betreiber, wurde in Norwegen eingesetzt, später in Südamerika betrieben und schließlich in den USA als „Iron Annie“ bekannt.
In den 1970er-Jahren wurde sie grundlegend restauriert und mit Pratt & Whitney Wasp-Motoren ausgestattet. 1984 gelangte sie schließlich zurück nach Deutschland, nachdem Lufthansa die Maschine erworben hatte.
Zwischen 1984 und 1986 wurde sie umfassend restauriert.
Danach begann ihr zweites Leben bei Lufthansa.
Ein Flugzeug aus einer anderen Welt
Was mich an der Ju 52 immer wieder fasziniert, ist die Konstruktion.
Schon auf den ersten Blick sieht man, wie anders Flugzeuge vor fast 90 Jahren gebaut wurden.
Der charakteristische Wellblechbeplankung ist nicht einfach ein nostalgisches Designelement. Sie war Bestandteil der konstruktiven Philosophie von Junkers.
Und genau deshalb sollte man bei einer solchen Maschine nicht nur auf die Gesamtform schauen.
Man sollte näher herangehen.
Sehr viel näher.




Dann entdeckt man plötzlich tausende Nieten, die einzelnen Blechsegmente, Leitungen, Verschraubungen und die gesamte mechanische Architektur.
Es wirkt fast wie ein riesiges mechanisches Uhrwerk.
Nur eben mit drei Motoren.
Drei Motoren, neun Zylinder – und rund 2.000 PS
Die Ju 52/3m trägt ihren Namen nicht ohne Grund.
Das „3m“ steht für drei Motoren.
In der Lufthansa-Ausführung kommen drei neunzylindrige Sternmotoren zum Einsatz. Die Lufthansa gibt für die Ju 52 rund 2.000 PS Gesamtleistung an. Die maximale Geschwindigkeit lag je nach Ausführung ungefähr bei 250 bis 265 km/h, die Reisegeschwindigkeit bei etwa 180 bis 200 km/h.
Heute ist man bei Verkehrsflugzeugen an zwei riesige Turbofans gewöhnt.
Hier stehen dagegen drei offen sichtbare Kolbenmotoren.
Und man kann sie praktisch anfassen.
Ein Blick unter die Motorhaube
Eines meiner Lieblingsbilder ist die Nahaufnahme des Motors.


Die vielen Leitungen, die Verschraubungen, die Zylinder und die mechanischen Komponenten zeigen eindrucksvoll, wie unmittelbar die Technik damals war.
Keine Turbine.
Kein FADEC.
Keine Fly-by-Wire-Steuerung.
Keine digitalen Displays.
Mechanik.
Und zwar Mechanik, die im wahrsten Sinne des Wortes funktionieren musste.
Das Cockpit – ein Arbeitsplatz aus einer anderen Zeit
Und dann kommt für mich der spannendste Teil des Besuchs:
das Cockpit.


Wenn man sich in das Cockpit setzt, verändert sich die Perspektive sofort.
Die großen Holz-Steuerhörner.
Die analogen Instrumente.
Die unzähligen Schalter.
Die mechanischen Hebel.
Die Kabel und Leitungen.
Und vor allem:
Diese unglaubliche Menge an Informationen, die ein Pilot damals noch direkt aus einzelnen Instrumenten ablesen musste.
Heute reicht ein Blick auf ein modernes Primary Flight Display, um Geschwindigkeit, Höhe, Fluglage, Kurs und viele weitere Parameter gleichzeitig zu erfassen.
Hier bekommt jede Information ihr eigenes Instrument.
Keine Touchscreens. Keine Menüs. Nur echte Bedienelemente.
Besonders beeindruckend ist die Mittelkonsole.

Drei Motoren bedeuten eben auch drei Sätze von Steuerungen.
Die schwarzen Kugeln, die roten Hebel, die gelben Bedienelemente und die verschiedenen Schalter machen sofort deutlich, wie viel Arbeit in einem solchen Flugzeug noch unmittelbar beim Piloten lag.
Man sieht förmlich die Arbeitsabläufe vor sich.
Motorüberwachung.
Gemisch.
Propeller.
Leistung.
Kraftstoff.
Und natürlich die zahlreichen Kontrollinstrumente.
Besonders schön finde ich dabei, dass das Cockpit nicht versucht, seine Geschichte zu verstecken.
Es sieht nicht aus wie ein modernes Ausstellungsstück.
Es sieht aus wie ein Arbeitsplatz.
D-CDLH – und warum dort D-AQUI steht

Ein interessantes Detail ist das Kennzeichen.
Auf dem Instrumentenbrett findet sich D-CDLH.
Gleichzeitig trägt das Flugzeug außen prominent die historische Registrierung D-AQUI.
Das ist kein Zufall.
D-AQUI ist die historische Kennung, unter der die Maschine berühmt wurde. Das heutige amtliche Kennzeichen lautet D-CDLH. Die historische Kennung D-AQUI wurde als Sonderbemalung beibehalten.
Und genau diese Kombination macht die Maschine so besonders.
Sie ist gleichzeitig ein historisches Original und ein Flugzeug, das über Jahrzehnte immer wieder an neue technische und rechtliche Rahmenbedingungen angepasst wurde.
„75 Jahre D-AQUI“
Ein kleines Detail im Inneren hat mich besonders angesprochen.

Eine kleine Plakette erinnert an:
75 Jahre D-AQUI
1936 – 2011
Darüber befindet sich eine alte Borduhr.
Solche Details sind es, die ein historisches Flugzeug für mich besonders interessant machen.
Nicht nur die großen technischen Daten.
Nicht nur die drei Motoren.
Sondern diese kleinen Spuren eines langen Flugzeuglebens.
„Berlin-Tempelhof“
Auf der Seite des Rumpfes findet sich außerdem die Beschriftung:
LUFTHANSA
BERLIN-TEMPELHOF

Der Name „Berlin-Tempelhof“ wurde der Maschine bei der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung gegeben.
Und damit verbindet dieses Flugzeug gleich mehrere Kapitel deutscher Luftfahrtgeschichte.
Die frühen Jahre der Luftfahrt.
Die Geschichte der ersten Lufthansa.
Die Nachkriegszeit.
Die Wiederentdeckung historischer Luftfahrt.
Und schließlich die Jahrzehnte, in denen die D-AQUI als fliegendes Denkmal wieder selbst Passagiere beförderte.
2015 wurde die Maschine vom Denkmalschutzamt Hamburg sogar als bewegliches Denkmal unter Schutz gestellt.
Noch bis 2018 im Passagierbetrieb
Das ist wahrscheinlich einer der erstaunlichsten Punkte in der gesamten Geschichte.
Während die meisten Verkehrsflugzeuge nach vielleicht 20 oder 30 Jahren längst ausgemustert sind, flog die D-AQUI weiter.
Und weiter.
Und weiter.
Bis 2018.
Nach Angaben der Lufthansa wurden seit der Restaurierung mehr als 250.000 Passagiere auf Rundflügen mit der Maschine befördert.
Als die D-AQUI 2018 endgültig aus dem kommerziellen Betrieb genommen wurde, war sie 82 Jahre alt.
Damit war sie eines der ältesten und zuletzt sogar das älteste noch im kommerziellen Luftverkehr eingesetzte Verkehrsflugzeug der Welt.
Allein dieser Gedanke ist unglaublich:
Ein Flugzeug, das 1936 gebaut wurde, flog noch Passagiere, als längst Airbus A320neo und Boeing 787 den modernen Luftverkehr prägten.
Vom Flugzeug zum Ausstellungsstück
Heute ist das anders.
Die D-AQUI fliegt nicht mehr.
Sie steht nun dauerhaft im Hangar One.
Und trotzdem wirkt sie dort nicht wie ein totes Museumsobjekt.
Vielleicht liegt das daran, dass man ihr ansieht, dass sie tatsächlich gelebt hat.
Die Lackierung.
Die Wellblechhaut.
Die Abnutzungsspuren.
Die Instrumente.
Die Sitze.
Die Motoren.
Alles erzählt Geschichten.
Der Blick aus dem Cockpit


Für mich war der Blick aus dem Cockpit einer der emotionalsten Momente des Besuchs.
Man sitzt dort, wo vor Jahrzehnten Piloten gesessen haben.
Vor einem liegen die Instrumente.
Die Steuerhörner befinden sich direkt vor einem.
Und draußen sieht man über die charakteristische Tragfläche hinweg.
Wenn man sich vorstellt, dass diese Maschine einmal mit genau dieser Konstruktion über Europa, Norwegen und später sogar Südamerika unterwegs war, bekommt das Cockpit eine ganz andere Bedeutung.
Man schaut plötzlich nicht mehr auf ein Museumsstück.
Man schaut auf einen Arbeitsplatz, von dem aus Menschen tatsächlich geflogen sind.
Und dann steht da noch die Super Star


Und als wäre die Ju 52 nicht schon beeindruckend genug, steht direkt daneben noch ein zweites Stück Lufthansa-Geschichte:
die Lockheed L-1649A Super Star D-ALAN.
Während die Ju 52 für die Pionierzeit der Lufthansa steht, symbolisiert die Super Star den Neustart der Lufthansa in den 1950er-Jahren.
Damit erzählen die beiden Flugzeuge gemeinsam eine bemerkenswerte Geschichte:
1936 – die frühe Ära der Passagierluftfahrt.
1950er-Jahre – das Zeitalter der großen Propellerflugzeuge.
Heute – das Zeitalter von Airbus, Digitalisierung und globaler Vernetzung.
Die beiden Maschinen stehen dabei wie zwei Zeitkapseln nebeneinander.
Ein schwieriges Erbe
Zu einem solchen Besuch gehört für mich aber auch die andere Seite der Geschichte.
Die Ju 52 ist ein faszinierendes technisches Denkmal. Gleichzeitig entstand sie in einer Zeit, in der Deutschland politisch und gesellschaftlich auf eine Katastrophe zusteuerte.
Die Geschichte der damaligen Deutschen Luft Hansa ist deshalb nicht nur eine Geschichte von Pioniergeist, Ingenieurskunst und der Entwicklung des zivilen Luftverkehrs.
Während der NS-Zeit war die damalige Lufthansa zunehmend in das nationalsozialistische System eingebunden, unterstützte die Aufrüstung und setzte während des Krieges auch Zwangsarbeiter ein. Lufthansa selbst arbeitet diese Geschichte inzwischen im Rahmen ihres 100-jährigen Jubiläums wissenschaftlich und öffentlich auf. Auch die Ausstellung im Hangar One widmet diesem Kapitel Raum.
Das halte ich für wichtig.
Ein historisches Flugzeug zu bewundern bedeutet nicht, seine gesamte Geschichte unkritisch zu verklären.
Im Gegenteil:
Gerade weil solche Maschinen Zeitzeugen sind, sollte man ihre komplette Geschichte erzählen.
Ein Flugzeug, das Geschichte überlebt hat
Wenn ich am Ende des Besuchs noch einmal um die D-AQUI herumgehe, bleibt vor allem ein Gedanke.
Dieses Flugzeug hätte längst nicht mehr existieren müssen.
Es hätte irgendwo verschrottet werden können.
Es hätte nach seiner aktiven Zeit in einem Depot verschwinden können.
Stattdessen wurde es gerettet, restauriert, wieder in Deutschland eingesetzt und anschließend über Jahrzehnte als fliegendes Denkmal betrieben.
Und jetzt steht es in Frankfurt.
Nur wenige Kilometer von dem Flughafen entfernt, von dem aus Lufthansa heute mit modernsten Airbus-Flugzeugen die ganze Welt verbindet.

Die D-AQUI ist damit mehr als eine alte Ju 52.
Sie ist ein Stück deutscher Luftfahrtgeschichte.
Ein Stück Lufthansa-Geschichte.
Ein technisches Denkmal.
Und vor allem ein Flugzeug, das man nicht nur anschauen kann.
Man kann sich tatsächlich vorstellen, wie es gewesen sein muss, mit genau dieser Maschine zu fliegen.
Mein Fazit
Der Besuch im Lufthansa Group Hangar One hat sich für mich definitiv gelohnt.
Die Ju 52 D-AQUI aus nächster Nähe zu sehen, ist etwas völlig anderes, als sie nur von Fotos oder aus alten Filmen zu kennen.
Besonders das Cockpit hat es mir angetan.
Die analogen Instrumente, die großen Steuerhörner, die vielen mechanischen Bedienelemente und der Blick über die Tragfläche vermitteln ein Gefühl dafür, wie fundamental anders die Arbeit eines Piloten vor fast 90 Jahren war.
Und dann steht man vor dem Wellblechrumpf und denkt daran:
Dieses Flugzeug wurde 1936 gebaut.
Es hat den Krieg überlebt.
Es hat mehrere Kontinente gesehen.
Es wurde mehrfach umgebaut und restauriert.
Es hat mehr als 250.000 Passagiere befördert.
Und es flog noch im 21. Jahrhundert.
Heute steht sie als Zeitzeugin in Frankfurt.
Und irgendwie wirkt sie dort noch immer so, als würde sie jeden Moment ihre drei Motoren starten.
D-AQUI – eine echte Legende der Luftfahrt.
Besuchsinformation
Der Lufthansa Group Hangar One befindet sich am Frankfurter Flughafen am Airportring, Gebäude 367. Seit dem 1. August 2026 ist die Ausstellung regulär für die Öffentlichkeit geöffnet. Die aktuellen regulären Öffnungszeiten sind donnerstags und freitags von 8:00 bis 18:00 Uhr sowie samstags von 10:00 bis 16:00 Uhr.
Lufthansa Group Hangar One – offizielle Informationen
Bildmaterial: Alle Fotos in diesem Beitrag stammen aus meinem eigenen Besuch im Lufthansa Group Hangar One und zeigen die Junkers Ju 52 D-AQUI aus verschiedenen Perspektiven – vom kompletten Flugzeug über Motor und Wellblechstruktur bis hin zum Cockpit und den Instrumenten.








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