Vom 76.000-€-Käfer bis zur Le-Mans-DNA

Gestern, am 21. Februar 2026, war es wieder so weit: Retro Classics in Stuttgart.

Schon beim Betreten der Hallen merkt man: Das ist keine klassische Oldtimer-Messe.
Das ist ein Ort, an dem Automobilgeschichte physisch vor einem steht.

In den Hallen warteten Ikonen, Motorsportlegenden und Fahrzeuge, die heute unvorstellbar wirken – weil sie noch aus einer Zeit stammen, in der Rennwagen manchmal tatsächlich auf eigener Achse zum Rennen gefahren wurden.

Hier mein persönlicher Rundgang.


🟡 VW Käfer 1303 GSR – 76.000 € für 50 PS

Ein originaler VW Käfer 1303 GSR von 1973 – angeboten für 76.000 €.

GSR steht für Gelb-Schwarzer Renner. Volkswagen wollte Anfang der 70er das Image des Käfers sportlicher aufladen.

Technische Daten:

  • 1,6-Liter luftgekühlter Boxer
  • 50 PS
  • Sportfahrwerk
  • Saturngelbe Lackierung
  • Schwarze Front- und Heckhaube
  • Nur rund 2.500 Exemplare gebaut

Damals ein Image-Modell.
Heute ein Sammlerstück.

76.000 € für einen Käfer mit 50 PS?
Wenn man die Stückzahlen und den Originalzustand betrachtet, relativiert sich das schnell. Der Markt für limitierte Sondermodelle ist längst in einer eigenen Liga angekommen.

Mit geöffnetem Heckdeckel wirkte der Boxer fast filigran. Keine Verkleidung. Keine Elektronik. Nur Mechanik.


🕷 Opel Rekord C Schwarze Witwe – Mythos von 1967

Das ausgestellte Fahrzeug ist der offizielle Nachbau der Rekord C Schwarze Witwe von Opel Classic aus dem Jahr 2012.

Nach dem Serienstart entwickelte Designer Anatole Lapine eine Rennsportversion.

  • 1,9-2,0 Liter Vierzylinder
  • Rund 180 PS (132 kW)
  • Tourenwagen-Spezifikation
  • Schwarze Lackierung mit gelben Opel-Logos
  • Spitzname „Schwarze Witwe“

Anfang der 1970er verschwand das Original motorlos in der Nähe von Wien.
Der Verbleib ist bis heute ungeklärt.

2012 rekonstruierte Opel Classic das Fahrzeug mit Hilfe Lapines – da keine vollständigen Baupläne existierten.

Live wirkt sie kompromisslos.
Breit. Flach. Giftig.


⚫ BMW M1 (E26) – Der Straßen-Supersportwagen

Bevor der M1 zur Procar-Legende wurde, war er ein Straßenauto.

Der BMW M1 (E26) wurde zwischen 1978 und 1981 gebaut.

  • 3,5-Liter Reihensechszylinder (M88)
  • 277 PS
  • Mittelmotor
  • 0-100 km/h in rund 5,6 Sekunden
  • 456 gebaute Exemplare

Das Design stammt von Giorgetto Giugiaro.
Die Entwicklung begann ursprünglich mit Lamborghini, bevor BMW das Projekt selbst fertigstellte.

Der M1 ist deshalb so besonders, weil er bis heute der einzige echte BMW-Supersportwagen mit Mittelmotor blieb.

Er wirkt selbst heute noch futuristisch.


🔴 BMW M1 Procar – 470 PS Rennwahnsinn

Die Procar-Version war eine andere Welt.

  • Rund 470 PS
  • Rennfahrwerk
  • Überarbeiteter M88
  • Gitterrohrrahmen
  • Eingesetzt in der BMW M1 Procar Championship

Formel-1-Fahrer wie Niki Lauda traten in identischen Fahrzeugen gegeneinander an.

Das ausgestellte Fahrzeug im BASF-Design war pure 70er-Jahre-Rennästhetik.


⚫ BMW 3.0 CSL – Batmobile und Leichtbau

CSL steht für Coupé Sport Leichtbau.

Aluminium-Karosserieteile, reduzierte Dämmung, große Aerodynamikpakete – gebaut, um Motorsport zu dominieren.

Er prägte die Tourenwagen-Ära der 70er maßgeblich.


🟤 VW Käfer Herbie – Emotion pur

Startnummer 53.

Der wohl bekannteste Käfer der Welt.

Natürlich ein Film-Nachbau – aber emotional vermutlich das meistfotografierte Auto der Messe.


🏁 Porsche 906 und 910 – Als Rennwagen noch Straße konnten

In Halle 10 standen mehrere Porsche 906 und 910.

Der Porsche 906 Carrera 6 von 1966 wurde nach FIA-Group-4-Reglement homologiert. Er war ursprünglich straßennah aufgebaut – teilweise mit Zulassung möglich.

  • 2,0-Liter Sechszylinder
  • Rund 210 PS
  • GFK-Karosserie
  • Unter 600 kg

In den 1960ern war es nicht ungewöhnlich, dass Rennfahrzeuge zumindest bis zur Rennstrecke oder zu Testfahrten auf eigener Achse bewegt wurden.

Motorsport war damals weniger abgeschottet.
Weniger Logistik.
Mehr Nähe zwischen Straße und Rennbetrieb.

Diese Modelle bildeten die Grundlage für Porsches spätere Dominanz bei den 24 Stunden von Le Mans.


Diese Mischung macht die Retro Classics besonders.

Nicht nur Chrom und Hochglanz.
Sondern Geschichte.

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